Bericht: Rennsteiglauf Supermarathon 2016

Nach einer sehr intensiven Trainingsphase stand ich vor 3 Wochen an der Startlinie einer der größten und traditionsreichsten Ultramarathons Deutschlands – dem Rennsteiglauf. Dies hatte ich dem Weihnachtsgeschenk meiner Frau zu verdanken 🙂

image1

Um 4 Uhr klingelte der Wecker. Nach einem kurzen Frühstück (Semmel mit Butter und Honig) machte ich mich um 5 Uhr auf in Richtung Start. Ich war wie immer viel zu früh. Somit  hatte ich noch genügend Zeit um mich im Startbereich umzusehen.  Es war angenehm warm bei 13 Grad. Aus diesem Grund gab ich auch meinen Kleiderbeutel sehr zeitig ab.  Meinen Opfer-Pullover hatte ich  also umsonst mitgebracht. Ich reihte mich relativ früh in die Startaufstellung ein, da ich leider die Kollegen vom #twitterlaufteff am vereinbarten Treffpunkt nicht getroffen habe 😦  10 Minuten vor dem Start war dann der Startbereich gut gefüllt. Trotzdem verlief alles ruhig und fernab der Hektik von Stadtmarathons.  Pünktlich um 6 Uhr erfolgte der Startschuss.

RE16LA006116Obwohl ich mich im Startbereich weit vorne eingeordnet hatte, war das Tempo sehr langsam. Ich war sehr vorsichtig, um anderen Läufer nicht in die Fersen zu treten. Bereits nach einem Kilometer wartete dann bereits der erste kleinere Anstieg.

Meine Renntaktik war darauf ausgelegt, dass ich langsam beginne. Der größte Anteil der 1.800 Höhenmeter ist auf den ersten 25 Kilometer zu absolvieren. Daher wollte ich die Anstiege nach Gefühl laufen, die flachen Passagen (zum Beispiel zwischen Kilometer 26 und 37,5) in einer 5:30 Pace und die letzten 9 Kilometer bergab sollten dann hoffentlich noch genug Körner vorhanden sein, um Vollgas zu geben. Mit dieser Taktik sollte eine Zeit zwischen 07:00 – 07:30 Stunden erreicht werden.

Der erste Anstieg stellte mich vor keine Probleme, aber mein Pulsschlag sauste gleich  ordentlich in die Höhe. Das kann ja lustig werden.  Die Laufstrecke bot gleich am Beginn ein paar herrliche Ausblicke. Ich versuchte mich jedoch voll auf mein Körpergefühl und meine Mitläufer zu konzentrieren.  Bei Kilometer 4 dann ein erster Fan vom #teamultrakitty. Katja von den Asics Frontrunnern hatte mich an meinen nicht ganz unauffälligen Kompressionsstrümpfen erkannt. Wir quatschen ein wenig, bevor ich Sie schließlich aus den Augen verlor. Auch an der ersten Getränkestation bei Kilometer 7 war das Feld noch sehr dicht an einander gedrängt. Ich war etwas überrascht über meine Mitläufer, die bereits relativ früh bei den Anstiegen gingen und bei den Bergab-Passagen mit großen Geschwindigkeit wieder an mir vorbei sausten. Das kostet doch mehr Kraft, als konstant zu laufen.  Bei Kilometer 7 ging es dann auch offiziell auf den Rennsteig Wanderweg. Die Strecke führte in Richtung Ascherbrück. Es waren immer kleinere Anstiege zu bewältigen, die ich versuchte so locker wie möglich zu meistern. Bei Kilometer 17,8 wartete die erste Verpflegungsstation an der Glasbachwiese. Da ich mit Trinkrucksack lief, passierte ich die Station ohne stehen zu bleiben. Ich konsumierte aber mein erstes Gel. Mein Shirt war bereits intensiv verschwitzt und auch meine Beine machten sich bereits bemerkbar. Ob das wohl gut geht?

RE16LA111638

Es folgten ein paar bergauf und bergab Passagen. Meine Uhr zeigte eine Pace von 5:38, als der Anstieg auf den Großen Inselsberg begann. Das Feld hatte sich nun gelichtet. Am Beginn lief ich noch ein paar kleinere Anstiege, aber am Schluss war an ein Laufen nicht mehr zu denken. Nach 2:25:01 war die erste Zeitmatte des Rennsteigslaufs erreicht.  Vienna Running war so nett und hat mir seine Zwischenzeiten (Endzeit 7 Stunden 15 bzw. 6 Stunden 50 Minuten) gesendet. Ich lag rund 5 Minuten vor der Zielzeit von 7:15.  Aber der Weg ins Ziel war noch sehr lang. Es folgte ein kleiner Downhill und dann sollte jener Bereich kommen, in dem ich die geplante 5:30 Pace laufen wollte. Doch gerade jetzt begann das GPS mir einen Streich zu spielen. Bereits die erste Anzeige einer 6:30 Pace bei Kilometer 27 kam mir spanisch vor. Als der nächste Kilometer in 10:25 angezeigt wurde, war klar, dass hier etwas nicht stimmen würde. Ich erkundigte mich bei meinen Mitläufern, wie schnell  wir liefen. Nachdem 5:30er Pace als Antwort kam, beschloss ich mich einfach anzuhängen. Mein Gefühl sagte mir aber, dass wir wesentlich schneller unterwegs waren. Zum Glück hatte ich ja die Zwischenzeiten von Vienna Running. Ohne diese Zeiten hätte ich wohl überhaupt keine Einschätzung treffen können, wie ich im Rennen liege. Die Ebertswiese (Kilometer 37,5) war nach 3:26:59 erreicht.

RE16LA230001Mein Vorsprung auf die 7 Stunden 15 Endzeit betrug nun 9 Minuten. Ich fühlte mich aber schon relativ müde und beschloss ein weiteres Gel zu konsumieren. Auch nach der Ebertswiese ging es relativ flott weiter, bevor bei Kilometer 41 wieder ein paar steilere Aufstiege bis Kilometer 44 warteten.

RE16LA251211Die steileren Anstiege musste ich nun gehen, um Energie für die flachen und bergab Passagen zu sparen. Ich merkte, dass sich die Muskeln bergab und im Flachen immer noch gut anfühlten. So konnte ich die geplante 5:30 Pace locker halten. Teilweise schummelten sich der eine oder andere Kilometer unter 5 Minuten darunter :-).  Voller Freude sah ich dann das 50 Kilometer Schild. Von nun an zählte ich die Kilometer bis 61, da bei dieser Kilometermarke der höchste Punkt erreicht ist und die Strecke fortan bergab führen wird.

RE16LA094073

Gunter hatte mir in der Vorbereitung von seinen Problemen zwischen Kilometer 50 und 60 erzählt und daher blieb ich vorsichtig. Den Verpflegungspunkt Grenzadler (Kilometer 54,7) erreichte ich in 5:02:51. Ich hatte somit rund 15 Minuten Vorsprung auf die Zielzeit und versuchte fokussiert zu bleiben.  Schließlich wartete noch der eine oder andere Anstieg. Diese waren jetzt nur noch gehend zu bewältigen. Bei Kilometer 61 war auch der Große Beerberg  (974 m ) geschafft. Nun ging es bergab Richtung Ziel.

RE16LA136467

RE16LA231363

Es war auch jetzt noch Energie in meinen Muskeln, und ich konnte die Passagen aktiv laufen.  Als ich Schmücke (Kilometer 64) in 6:00:05 erreichte, war klar, dass ich mein Ziel von 7:15 locker erreichen werde. Meine Pace variierte zwischen 4:30 und 5:00. Daher sollte auch das Traumziel von unter 7 Stunden im Bereich des Möglichen liegen . Ich genoss jetzt die Anfeuerungen der Wanderer, die 7-8 Kilometer vor dem Ziel die Läufer lautstark motivierten. Kurz vor Kilometer 70 gab es dann noch einen kleinen Anstieg, den ich nur gehend schaffte. Dann gab es aber kein Halten mehr und ich flog in das Ziel in Schmiedefeld.

RE16LA351362

RE16LA297495

20160521_125645

Nach 6:43:48 war der Rennsteiglauf über 72,7km und rund 1800 Höhenmeter geschafft. Platz 13 in der AK und Gesamtplatz 74 von rund 1800 Finishern. Damit bin ich mehr als glücklich und zufrieden. Als Belohnung gab es dann eine Thüringer Bratwurst und zwei Köstritzer 🙂

Fazit:

Strecke: Der Rennsteiglauf ist ein Landschaftslauf im Thüringer Wald. Die Strecke strahlt sehr viel Ruhe aus und bietet schöne Ausblicke. Die meiste Zeit verbringt man jedoch im Wald und ist von viel Natur umgeben. Als Wiener erinnert mich die Strecke und Umgebung natürlich sehr stark an unseren Wienerwald. Ich war überrascht, dass viele meiner Kollegen mit Trailschuhen unterwegs waren. Das ist bei guten Bedingungen absolut nicht notwendig. Ich war froh, dass ich auf den Rat von Vienna Running gehört habe und meine Straßenlaufschuhe verwendet habe.

(4,5 von 5 Sternen)

Atmosphäre: Da es sich um einen Landschaftslauf handelt, ist das Publikum vor allem am Start, bei den Verpflegungsstationen und im Ziel vorhanden. Besonders toll fand ich die Anfeuerung der Wanderer auf den letzten 8 Kilometer der Strecke. Für mich somit der längste Zieleinlauf der Welt 🙂

(4,5 von 5 Sternen)

Organisation: Es ist ersichtlich, dass die Organisation sehr erfahren ist. Die Abholung der Startnummer am Freitagnachmittag erfolgte rasch und unkompliziert. Vor allem weißt der Lauf für mich ein tolles Preis-/Leistungsverhältnis auf. Für 65 EUR gibt es einen Bon für Rotkraut und Klöße (Knödel), ein Köstritzer, ein Finisher Shirt, eine Suppe und ein paar Goodies von Sponsoren (Sonnencreme, …). Zusätzlich erhält der Läufer viele Getränke- und Verpflegungsstationen während des Laufs. Der Lauf kann auch ohne Trinkrucksack bestritten werden. Der Veranstalter sorgt sich wirklich sehr gut um seine Teilnehmer. An machen Stationen gibt es angeblich auch Bier und Bratwurst :-). Ich habe trotzdem einen Trinkrucksack verwendet. Einerseits spart man einfach Zeit bei den Verpflegungsstationen, andererseits ist man auch unabhängiger. Ferner sorgt der Organisator auch für eine gute Kennzeichnung der Strecke. Auch bei Passagen, die ich alleine laufen musste, war verirren unmöglich. Auch der Rücktransport nach Eisenach mit Bussen funktionierte einwandfrei.

Der einzige Kritikpunkt ist für mich die Aufbewahrung der Kleiderbeutel am Zielort. Ich empfehle, dass Du Deinen Kleidersack speziell kennzeichnest (z.B. blaues BUFF Band), um ihn rasch zu finden. Die Kleidersäcke sind zwar grob nach Startnummern sortiert, sind aber nicht der Reihe nach sortiert. Zusätzlich sollte der Inhalt gegen Regen geschützt werden, da sie unter freiem Himmel aufbewart werden.

(4.5 von 5 Sternen)

Umfeld: Das Umfeld von Eisenach ist klar im Rennsteigfieber. Bei der Ortseinfahrt werden die Teilnehmer schon mit einem großen „Willkommen beim Rennsteiglauf“ Banner begrüßt. Auch unser Hotel bot ein spezielles Frühstückservice für Teilnehmer am Rennsteiglauf. Auch um 6 Uhr versammelten sich bereits viele Eisenacher im Startbereich, um die Läufer anzufeuern. Top!

(4,5 von 5 Sternen)

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s