Bericht zum Swiss Alpine K78

Auch 2017 stand natürlich wieder ein Ultramarathon am Plan.  Der Ultralauf ist eine schöne Abwechslung zum Marathontraining und hat meine Laufform sehr positiv beeinflusst. In diesem Jahr sollte es der K78 in Davos sein.  Das Rennen hat eine sehr lange Tradition und einen hohen Bekanntheitswert. Trotz der fast 3000 Höhenmeter ist der Laufanteil (Anteil, der laufend bewältigt werden kann) an der Strecke sehr hoch. Das war für mich persönlich ein wichtiges Kriterium für die Auswahl des Rennens.

Die Anreise zum Lauf erfolgte sehr entspannt. Die Anmeldegebühr enthält auch die gratis Anreise mit dem Zug ab der Schweizer Grenze oder ab einem Schweizer Flughafen. Nach dem Einchecken im Hotel ging es auch gleich zur Startnummern Ausgabe, die sehr rasch und unkompliziert funktionierte. Ich vermisste jedoch den Starterbeutel für die Wechselkleidung bei Kilometer 40, der in allen Berichten, die ich im Vorfeld gelesen habe, angeführt wurde. Zum Schutz der Umwelt verzichtete der Veranstalter heuer auf die Ausgabe von Plastikbeutel. Ich unterstütze solche Maßnahmen natürlich und war aber froh, dass ich einen Rucksack mitgebracht hatte.

Am nächsten Tag ging es dann schon früh an den Start.  Dort war die Stimmung – wie bei allen bisherigen Ultralaufveranstaltungen – sehr gut. Kein Gedränge, keine Verbissenheit, sondern reine Demut vor der großen Aufgabe. Um 07:00 Uhr erfolgte der Startschuss. Der Lauf startete mit einer kleinen Runde in Davos, bevor es in Richtung Bergün ging.

Die ersten Kilometer waren sehr flach und führten teilweise leicht abwärts auf Asphalt. Ich war froh, dass ich mich für die Adidas Boston Boost Schuhe entschieden hatte. Zusätzlich habe ich auch den Trailrucksack bereits ab dem Start getragen, obwohl die Verpflegung durch den Veranstalter sehr gut ist. Das sollte sich noch als eine weise Entscheidung herausstellen.  Nach den ersten kleineren Anstiegen bei Kilometer 6-7 geht es recht wellig bis Kilometer 14. Das war aber alles sehr gut zu laufen. Meine Pace lag bei rund 5:40 pro Kilometer. Auf den nächsten 16 Kilometern verliert man rund 500 Höhenmeter. Dieser Streckenabschnitt eignet sich sehr gut zum Tempo machen. Ich fühlte mich sehr gut und so rollte es plötzlich in 4:10 – 4:45 pro Kilometer dahin. Das war weit über meinen Plan, aber es machte Spaß 🙂 Kurz nach der Verpflegungsstation Wiesen (Kilometer 24) folgte dann ein kurzer Anstieg, der nur gehend zu bewältigend war. Dieser Abschnitt war aber sehr kurz und rasch überwunden. In Filisur hatte sich meine Gesamt-Pace auf rund 5:09 Minuten pro Kilometer verbessert. Doch der Weg nach Bergün war noch 10km weit und vor allem steil. Es beginnt bei Kilometer 31 mit einer Schotterstraße, die immer sanft bergan führte. Ich fühlte mich gut, aber ich wusste auch, dass ich hier nicht zu viele Körner verschießen darf.  Ab Kilometer 35 folgten dann 3 Kilometer mit rund 500 Höhenmetern. Laufen war in diesem Teilabschnitt nicht möglich. Die Strecke führt dann wieder bergab. An der Verpflegungsstation kurz vor Kilometer 41 wechselte ich dann meine Laufschuhe auf den Adidas Terrex Agravic Speed (Trailschuh). Zusätzlich packte ich auch noch eine leichte Regenjacke und ein warmes Shirt in meinen Trailrucksack. Die Wetterberichte waren sich nicht ganz einig, ob ein Gewitter auf der Keschhütte aufzieht oder nicht. Ich schloss meinen Rucksack und los ging es. Jetzt beginnt der K78 erst richtig, da waren sich alle Laufberichte einig.  Ich war voller Energie und guter Laune in Bergün angekommen. Leider änderte sich meine Stimmung recht dramatisch auf den nächsten Kilometern. Ich spürte plötzlich die Hitze und mein Akku schien eine Blitzentladung erfahren zu haben.

Die Strecke führte nun 2 -3 Kilometer leicht bergan und wäre gut laufbar gewesen. Ich schaltete auf Kampfmodus. Aber ich musste immer wieder Gehpausen während des Laufens einlegen. Mein Energielevel war auf einem Tiefpunkt. Ich konsumierte ein Gel und versuchte mit Zucker entgegen zu wirken. Nach rund 5 Kilometern begann dann der wahre Anstieg zur Keschhütte. Ein wunderschöner Single Trail mit toller Landschaft. Dieser Abschnitt war nur gehend zu bewältigen, bei dem mich jedoch einige Läufer überholten. Ich werde halt keine Bergziege mehr :-). Die Gels begannen zu wirken und ich spürte, wie die Kraft zurückkehrte. Nach rund 6:25 Stunden war ich schlussendlich bei der Keschhütte (2.625m) angekommen.

Nach einem kurzen Downhill folgte der Anstieg zum Sertigpass bei Kilometer 58. Beim Anstieg zur Keschhütte habe ich einige Plätze in der Gesamtwertung verloren. Das merkte ich nun auf den Single Trails. Viele langsame Läufer waren in den Trails vor mir. Überholen war leider kaum möglich. Ich merkte aber, dass die Energie wieder vorhanden war. Das stimmte mich optimistisch für den Downhill nach Davos.  Nach 7:28 habe ich den Sertigpass auf 2.739m passiert.

Die ersten beiden Kilometer nach dem Sertigpass waren technisch recht herausfordernd. Es ging über Stein- und Geröllmassive. An ein schnelles Laufen war auch hier nicht zu denken. Beim Abstieg in Richtung Sertig Dörfli war ich aber wieder in meinem Element – dem Laufen. Der Energielevel passte, und ich begann die Läufer vor mir nach und nach zu überholen. Die Strecke sieht am Plan immer leicht abfallend aus. Dies entspricht jedoch nicht der Realität. Es ist teilweise recht wellig zu laufen.

Ich konnte die kurzen Gegenanstiege recht gut laufen. Die längeren Anstiege, vor allem kurz vor Davos, musste ich jedoch gehend bewältigen.

Nach 9:28 erreichte ich schlussendlich als 99. (von rund 500 Finishern) das Ziel.

Fazit:

Die Leistung war in Ordnung. Ich konnte vor allem in den Laufpassagen gute Ergebnisse erzielen. Bei den großen Anstiegen habe ich leider Zeit verloren. Das lag wohl auch am fehlenden Bergtraining.

Der K78 ist eine sehr nette Laufveranstaltung. Die Organisation arbeitet fehlerfrei. Die Stimmung in den einzelnen Bergdörfern war sehr beeindruckend. Die Strecke ist reizvoll, obwohl Sie mehr Asphaltpassagen beinhaltet, als ich mir gedacht habe. Die Single Trails sind aufgrund der hohen Teilnehmerzahlen teilweise verstopft und ein Überholen ist nicht möglich. Besonders gut hat mir gefallen, dass in der Anmeldegebühr bereits eine gratis Anreise mit dem Zug (ab Schweizer Grenze / Flughafen) inkludiert ist. Weniger beeindruckt war ich von meinen Trailkollegen, die ja so gern in der Natur laufen, es aber leider nicht schaffen, ihre Gels oder Trinkbecher in die vom Veranstalter vorgesehenen Behälter zu werfen. Shame on you!

 

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2 Gedanken zu “Bericht zum Swiss Alpine K78

  1. Also alles in allem eigentlich ein schöne Veranstaltung, wenn da nicht diese Teilnehmer wären! Tzzzzz, beim Triathlon wäre das eine klassische Disqualifikation. Aber nun denn. In jedem Fall einen dicken Glückwunsch für das Bewältigen dieser Distanz mit solchen Höhenmetern.

    Die Eindrücke von den Höhen sind wunderbar und so herrliches Wetter da oben.

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