OMV Linz Marathon


Nach meinem Marathon in Berlin mit 03:30:58 hatte ich natürlich das Ziel, sobald wie möglich die 3:30 Grenze zu sprengen. Ich habe mich daher entschieden, den nächsten Marathon in Linz zu laufen. Ich erhoffte mir durch die geringere Teilnehmerzahl in Linz schneller laufen zu können, da in Wien auf den ersten 21,1 km viel Verkehr herrscht, die ein freies Laufen erschweren. Zusätzlich ist die Strecke in Linz ähnlich flach wie in Wien.

Das Streckenprofil des Linz Marathons wurde im Jahr 2011 erstmalig geändert und mehr ins Zentrum verlegt. Dafür starteten die Marathonis im Jahr 2011 erstmals mit den Teilnehmern des Viertel- und Halbmarathons.

Die Anreise zum Marathon erfolgte am Samstag, den 09. April per Bahn. Da ich meine Anmeldeunterlagen in Ruhe abholen wollte, entschied ich mich für eine frühe Anreise. Ich hatte ein offizielles Marathonhotel, das Park Inn am Hessenplatz, gebucht. Das Hotel liegt sehr zentral, in unmittelbarer Nähe zum Zielbereich. Vom Bahnhof ist das Hotel nur 15 Minuten zu Fuß entfernt. Das Park Inn ist ein top eingerichtetes, stylisches Hotel, das ich bei meinem ersten Aufenthalt zu Business-Zwecken sehr geschätzt habe. Dieses Bild sollte sich leider ein wenig bei meinem zweiten Aufenthalt korrigieren. Die Rezeptionistin empfing mich mit: „Sie sind zu früh. Ich weiß noch nicht, ob ich ein Zimmer für Sie habe!“ Ich erklärte ihr, dass es ja kein Problem sei, wenn das Zimmer noch nicht fertig sei, ich wolle ja nur mal mein Gepäck abstellen. Nachdem sich unser Dialog kurz entspannte (Zimmer war doch schon frei), stieg der Adrenalinpegel, als Sie mir mitteilte, dass ein Late Check out nicht fix möglich sei. Ich solle mich morgen früh (Marathontag) nochmals an die Rezeption wenden. Trotz meiner Erklärung, dass ich Marathon laufe, das Park Inn ein offizielles Marathonhotel sei und zusätzlich im Werbeprospekt mit einem Late Check out für alle Läufer wirbt, wollte sie mir den Check out erst am nächsten Morgen bestätigen. Das trug nicht wirklich zu einer Hochstimmung bei.

Nachdem ich das Zimmer bezogen habe, marschierte ich zum Cafe Traxelmayer und genoss zuerst einmal einen Cafe zum Frühstück. Danach ging es zur Startnummernabholung in das Bruckner Konzerthaus. Die Startnummerausgabe war gut organisiert. In wenigen Minuten hatte ich meine Startnummer und das Starterparket ausgefasst.

Die Marathonmesse hatte nur eine kleine Anzahl an Aussteller zu bieten. Zusätzlich drängten sich viele Menschen auf sehr engen Raum. Für die Aussteller ist der Brucknerhaus alles andere als ein optimaler Platz zur Präsentation der Produkte. Nichtsdestotrotz kaufte ich mir ein offizielles Linz Marathon Funktionsshirt von Asics.

Auf der Donaulände fand dann auch gleich der Asics Junior Marathon statt. Der Junior Marathon hatte unterschiedliche Distanzen (abhängig vom Alter der Kinder) von 42,1m, über 421m bis zu 4.210 Meter. Es war wirklich toll zu beobachten, wie engagiert die Kinder zu Werke gingen. Vor allem die Kleinsten über 42,1 Meter waren total süß anzusehen. Weniger schön empfand ich leider die viel zu ehrgeizigen Eltern. Manchen Eltern zogen ihre Kinder förmlich über die Strecke. Schade, dass man Kinder bereits in so einem frühen Alter die Freude nimmt 😦

Nach dem Junior Marathon war ich noch ein wenig kulturell unterwegs und besuchte das Lentos Kunstmuseum. Nach dem Kulturnachmittag war es dann Zeit für Carboloading. Ich hatte einen Tisch in der Amici Pizzeria reserviert. Ich hatte eigentlich gedacht, dass zu dieser frühen Uhrzeit (18:00 Uhr) ja keine Reservierung notwendig sei, aber sicher ist sicher. Und zum Glück hatte ich die Reservierung vorgenommen. Der Italiener, der als der beste Italiener Linz gilt, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach Gnocci alla pomodorro ging es dann zurück zum Hotel. Schließlich wollte ich mir noch etwas Schlaf vor dem Marathon holen.

Um 7 Uhr war dann Frühstückszeit. Das Hotel schaffte es leider nicht ein Early Breakfast für Marathonis zu organisieren. Und ein Frühstück 2 Stunden vor dem Marathon ist sehr knapp. Ich verzehrte in alter Tradition meine Semmel mit etwas Butter und Honig. Nachdem der Rezeptionist mir nun auch den Late Check out zusagen konnte,  ging es dann gegen 07:45 Uhr in Richtung Start. Der Startbereich und die ersten 2 Kilometer führen über die Linzer Stadtautobahn.  Von meinem Innenstadthotel bis zum Startbereich waren es dann doch rund 30 Minuten zu Fuß. Leider gab keine Shuttlebusse und öffentliche Verkehrsmittel zum Startbereich. Das war vor allem für viele ausländischen Läufer sehr befremdlich.

Im Startbereich herrschte gute Stimmung. Die Läufer wurden gebeten, sich anhand ihrer Zielzeiten in die Startblöcke einzureihen. Es gab aber Keinen, der das auch wirklich kontrollierte. Es obliegt somit der Ehrlichkeit des Läufers sich in den richtigen Startblock einzuordnen.  Rund 10 Minuten vor dem Start gab es dann eine Flashmob Dance Vorführung.  Warum man bei einem Marathon einen Flashmob machen muss, bleibt wohl dem Veranstalter vorbehalten. Dementsprechend niedrig war auch die aktive Beteiligung der Läufer. Um 9 Uhr erfolgte dann endlich den Startschuss.

Nachdem ich die Startlinie überquerte, mühte ich mich durch eine Vielzahl an Läufern, die leider nicht so ehrlich waren und sich richtig im Startblock eingeordnet haben. So hatte ich mir meinen Bestzeitversuch nicht vorgestellt. Doch nach rund 3 Kilometer hatte sich schlussendlich eine Gruppe gefunden, die genau mein Tempo hatte. Meine Zielpace betrug 4:55 min/km. Nach rund 3 Kilometer lag ich aber bei 4:33 min/km.

Nachdem der Lauftross die Autobahn verlassen hatte, wurde auch die Zuschauerzahl größer. Ich muss wirklich gestehen, dass ich die rund 10 Kilometer in Urfahr und über die Nibelungenbrücke ins Zentrum wirklich sehr genossen habe.  Viele Zuschauer feuerten die Läufer lautstark an. Vor allem die Passage über die Nibelungenbrücke zur Gruberstraße wird mir positiv in Erinnerung bleiben. Die Atmosphäre war großartig. Ich genoss den Trubel und fühlte mich richtig gut. Ich konnte meinen Anfangspace von 4:33 min/km fast  halten (4:38 min/km). Ab Kilometer 10 führt die Strecke über die Franckstraße wieder stadtauswärts. In diesem Bereich verirrten sich dann doch nur weniger Zuschauer. Bei Kilometer 17 wartete dann mein Vater am Straßenrand und feuerte mich an. Er rannte noch ein paar Meter mit mir und sagte mir, dass ich in Richtung 3:20 unterwegs wäre.  Ich wusste natürlich, dass ich weit über Plan war und hoffte, dass mich die Kräfte nicht verlassen. Bei Kilometer 18 verabreichte ich mir dann mein erstes Gel. Nach einem kurze Zickzack über die Dametzstraße, Donaulände, Dinghoferstraße, Bürgerstraße ging es auf der Landstraße in Richtung Hauptplatz. Dort befand sich das Ziel für die Halbmarathonläufer und Marathonläufer. Die Stimmung an der Landstraße war hervorragend, leider ist diese Straße jedoch ein Kopfsteinpflaster Bereich. Das ist natürlich für Läufer alles andere als angenehm. Die Marathonis laufen nicht ins Ziel am Hauptplatz, sondern biegen ab zur Promenade. Dieses Abbiegen ist wie eine Trennung in zwei Welten. Denn bereits kurz nach der Promenade war von einer tollen Marathonstimmung nichts mehr zu spüren. Über die Herrengasse führte die Strecke zur Unionstraße in Richtung Mühlkreisautobahn, wo sich auch der Wendepunkt befand. Eine Band versuchte die Stimmung anzuheizen. Die Zuschaueranzahl und die Stimmung waren aber in diesem Abschnitt sehr überschaubar. Ich sollte noch nicht ahnen, dass es auf den nächsten 15 Kilometer nicht besser werden wird. Bis zu Kilometer 25 hatte ich aufgrund der ansteigenden Temperaturen etwas an Pace verloren. Ich lag jetzt bei 4:43 min/km. Noch immer war ich aber damit sehr zufrieden. Nachdem sich jetzt die Sonne verstärkt bemerkbar machte, versuchte ich verstärkt im Schattenbereich zu Laufen. Nachdem wir die Unionstraße nun von beiden Straßenrichtungen gelaufen sind, ging es über die Wiener Straße in Richtung Wasserwald, der bei Kilometer 29 beginnt. Bei Kilometer 28 spürte ich, dass meine Muskel nicht mehr locker waren. Ich musste meine Laufgruppe, mit der ich seit Kilometer 3 unterwegs war, leider ziehen lassen. Das versetzte mir doch einen gewissen negativen Knacks. Es waren jetzt nur mehr sehr wenige Läufer in meiner unmittelbaren Nähe. Gerade wenn der Marathonhammer kommt, wären ein paar Läufer in der unmittelbaren Umgebung nicht schlecht. Leider musste ich jetzt wohl selbst über diese Schwächeperiode hinwegkommen. Ich versuchte nur das nächste Etappenziel (Kilometer 35) mir geistig zu visualisieren. Nachdem man den Wasserwald wieder verlässt, ist ein Anstieg bis zu Kilometer 35 zu bewältigen. Ich war leer in meinen Muskeln und stoppte kurzfristig bei Kilometer 34 und ging ca. 100 Meter. Danach versuchte ich wieder meinen Laufrhythmus zu finden. Meine Muskeln waren tot und wollten einfach nicht mehr laufen. Bei Kilometer 35 nahm ich ein weiteres Kohlenhydratgel und ein Wasser. Die Temperaturen waren jetzt auf 25 Grad gestiegen und erschwerten mir das Fortkommen zusätzlich. Ich schleppte mich zur Verpflegungsstation bei Kilometer 39.

Ich nahm mir extrem viel Zeit zum Trinken und stoppte das Laufen wieder für ca. 30 Sekunden. Dann machte ich mich auf die letzten 3 Kilometer. Bevor ich auf die Landstraße einbog, holte ich mir durch eine kurze Gehpause noch Kraft. Die letzten 2 Kilometer ging es dann in über die Landstraße zum Hauptplatz. Jetzt spürte ich jeden einzelnen Pflasterstein in meinem Körper. Ich kam mir vor wie eine Schnecke. Etwas Motivation holte ich mir noch bei meiner Freundin und meinem Vater, die kurz vor dem Ziel mich nochmals anfeuerten. Das gab Kraft für die letzten 500 Meter. Nach 3:25:04 durchquerte ich die Ziellinie am Linzer Hauptplatz.

Ich hatte gut 5 Minuten in den letzten 10 Kilometer verloren. Ich hatte eigentlich mit mehr gerechnet und war daher überglücklich, obwohl ich mein Pulver wohl etwas zu früh auf der Strecke verschossen hatte. Aber das Ziel unter 3:30 zu finishen habe ich glatt erreicht.

Fazit:

Atmosphäre beim Marathon: Der Linz Marathon hat zwei Gesichter. Ein Top für die ersten 21 Kilometer. Tolle Stimmung und richtige Begeisterung am Straßenrand. Die zweite Hälfte war für mich ein absoluter Flop. Wenig Zuschauer, keine Begeisterung. Auch die Bands konnte hier nichts mehr retten. (3 von 5 Sternen)

Strecke: Die Strecke ist flach und schnell. Es gibt aber trotzdem einige Anstiege. Vor allem der sanfte Anstieg vor Kilometer 35 tut richtig weh. (3 von 5 Sternen)

Organisation: Die Organisation ist einwandfrei aber von einem Top Niveau weit entfernt. Vor allem der lange Weg zum Start hat mich sehr verärgert. Zusätzlich erfolgte keine Kontrolle der Zielzeiten im Startbereich. Auch der Massenstart von allen Teilnehmern war meiner Meinung für die Marathonis nachteilig. (3 von 5 Sternen)

Umfeld: Absolutes Minus für den Bereich Umfeld. Marathonhotels, die Marathonis kein Late Check out zusichern, und die das Frühstück erst zwei Stunden vor dem Start anbieten, tragen nicht gerade zu einer positiver Stimmung bei. (1 von 5 Sternen)

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